Berbisdorfer Straße 36
vormals Ladengeschäft der Rosa Weinbrecht

Das seinerzeitige Wohn- und Geschäftshaus Berbisdorfer Straße 36 in einer Aufnahme zwischen 1935 und 1940.
(Foto: Gabriele Hähle)

Bei der ersten Publizierung dieser Seite schrieb ich: “Im Erdgeschoss befand sich ein Ladengeschäft, dessen Charakter bisher nicht zweifelsfrei geklärt werden konnte.”

Zu dieser “Forschungslücke” erreichte mich unter dem 17. Februar 2010 von  Rolf Schlegel folgender Bericht mit Foto, den ich hier wiedergeben möchte:

Das Ladengeschäft wurde betrieben von Rosa Weinbrecht geb. Weiß, einer Schwester des Hausbesitzers Max Weiß. Rosa Weinbrecht (1896 - 1985) verkaufte hauptsächlich Wurst. In den 1930er Jahren ließ sie dazu einen Fleischer ins Haus kommen, der schlachtete und die Wurst machte. In den letzten Kriegsjahren holte sie fertige Wurst vom Lippmann-Fleischer von der Theater-Straße aus Chemnitz. Sie fuhr dazu mit dem Zug nach Chemnitz und meine Schwester holte sie für ein paar Pfennige mit dem Handwagen vom Einsiedler Bahnhof ab. Ergänzend hatte sie Schokolade und Pralinen im Angebot. Ihr Ehemann verkaufte im Laden Getränke. Als sie im Haus noch schlachten ließ, war ihr Laden täglich geöffnet. Regelmäßig holten die Arbeiter von C. F. Lohs ihr Frühstück bei ihr. Als sie die Wurst später aus Chemnitz holte, verkaufte sie nur freitags und sonnabends bzw. machte einen Aushang, wann der Laden wieder geöffnet hatte. Sie trug auch bestellte Wurstpakete in Einsiedel aus, also lieferte frei Haus. Das Schlachthaus im Hinterhof war ein umfunktioniertes Waschhaus. Der Verkauf wurde natürlich gegen Ende des Krieges weniger (Lebensmittelmarken!). Nach dem Krieg kam der Laden, von bescheidenen Versuchen abgesehen, nicht wieder zum Laufen.

Das Foto links zeigt uns Rosa Weinbrecht. Von Rolf Schlegel erfahren wir über sie noch Folgendes:
Rosa Weinbrecht spielte Klavier. Sie hatte es fast autodidaktisch erlernt. Sie kannte sehr viele Einsiedler und war eben ortsbekannt. Sie besuchte in Einsiedel gern Leute, die ein Klavier hatten, um darauf zu spielen. Zuhause hatte sie über viele Jahre keins. In späteren Jahren hatte sie sich ein Klavier gekauft, aber ihren Ehemann erfreute ihr Klavierspiel überhaupt nicht. So spielte sie weiterhin bei anderen Leuten.

Zurück zum Gebäude:
Die Fotos zeigen das Haus nach 1911 (links) und in den 1930er Jahren (rechts).
(Fotos: Gabriele Hähle)

Im Jahre 1926 finden wir unter “Berbisdorfer Straße 36” den Strumpfwirker Albert Weiß als Hausbesitzer eingetragen.

Geringe Beschädigungen trug das Haus bei den Bombenangriffen 1945 davon.
Brände durch eingeschlagene Brandbomben konnten von den Eigentümern gelöscht und das Gebäude somit gerettet werden.

Ein Foto des 1888 gegründeten “Concertina-Vereins Einsiedel” aus dem Jahre 1940.
In der ersten Reihe, Dritter von rechts, finden wir Max Weiß, den Sohn von Albert Weiß.
Max Weiß wohnte Zeit seines Lebens (1899 bis 1969) im Hause Berbisdorfer Straße 36.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Das Gebäude am 7. Februar 2010.

 

Der im Winter 2010 noch unvollendete Putz an einer Giebelseite ermöglichte die genaue Zuordnung einiger anderer alten Fotos dieses Hauses und der beiden Nachbargebäude links und rechts, weil sich beim Vergleichen der alten Bilder eine postalische Reihenfolge ergab, in denen man die seinerzeitigen Außenputze mit ihren filigranen Zierfugen als direkten Vergleich heranziehen konnte.

 

 

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