Berbisdorfer Straße 51
Sommerbad / Freibad Einsiedel

Freibad Einsiedel:
Kinder neben dem vorderen, der Straße zugewandten versumpften Teich etwa im Jahre 1925. Aus diesem und dem dahinter liegenden Teich sollte später das Gemeindebad -heute Einsiedler Freibad- werden.
Dieses bitte nicht mit dem ehemaligen Naturbad am Harthauer Weg verwechseln, dafür siehe ebenda...
(Foto: Kurt Morgenstern)

 

 

Kurt Morgenstern Für die Entstehung des Bades will ich einen der bekanntesten Einsiedler Schwimmer, Kurt Morgenstern, zu Wort
 kommen lassen:

 

Die Entstehung des Sommerbades in Einsiedel

 Mein Name ist Kurt Morgenstern, geboren am 15. Juli 1921. Ich möchte berichten, was mein Vater in meiner
 Kindheit mir über die Entstehung des Einsiedler Bades erzählt hat und was ich selbst erlebt habe.

 

Mein Vater, Bruno Morgenstern, wurde 1887 in Einsiedel geboren. Er liebte den Schwimmsport genauso wie ich. In seinen jungen Jahren fuhr er immer mit seinen Sportfreunden im Winterhalbjahr nach Chemnitz in das “Hedwig-Bad” gegenüber der Markthalle zum Schwimmen. Im Sommer wurde der “Emmateich” am Mühlberg zum Schwimmen besucht. Das alles muss ca. in den Jahren 1924/1925 gewesen sein. 1921 bis 1923 wurde die Idee bei den Sportfreunden geboren, wir möchten gern selbst ein Bad haben, um schwimmen zu können. Da bot sich der “Schieferwinkel-Grund” am Rande von den Feldern vom Gut des Bauern Oertel an. Es waren zwei nebeneinander liegende Sumpfteiche, die keinen Nutzen brachten. Mit Absprachen des Einsiedler Bürgermeisters wurde die Genehmigung erteilt, dieses Gelände für Sportzwecke zu nutzen. Die große Arbeitslosigkeit der damaligen Zeit bot sich an, ans Werk zu gehen. Baumeister Seifert unterstützte die Schwimmfreunde mit Materialleistungen wie Feldbahnschienen und Lories. Es herrschte ein Aufbruch und eine Begeisterung unter den Arbeitern etwas Nützliches für sich selbst zu tun. Man hatte ein Gelände gefunden, was sich für ein Schwimmbad bestens eignete. Aber jetzt wurden Überlegungen laut, das allein genügt noch nicht. Mein Vater brachte den Vorschlag ein, wir gründen einen Schwimmverein. Organisiert musste es schon sein. Mein Vater wurde zum Vorsitzenden gewählt, weiterhin wurde ein Schriftführer und ein Kassierer bestimmt. Ca. 20 aktive Schwimmer fanden sich zur Gründung zusammen. Somit war der Einsiedler Schwimmverein geboren.

Die Erdmassen wurden in Richtung „Oertelbauer-Wiese“ abgelagert. Der Ausbau des Beckens hat einige Jahre in Anspruch genommen. Aus zwei Sumpfteichen wurde ein großer. Die Randbefestigung vorn, am Sprungbrett und an der Seite in Richtung „Oertel-Bauer“ wurden aus Weiden geflochten und damit befestigt. Die Seite an der Berbisdorfer Straße wurde der Natur überlassen. Die Tiefe von ca. 3 m lief nach hinten aus. Die Länge betrug ca. 50-60 Meter. Außerhalb, am hinteren Becken war der Vorfluter, ein kleines Becken gefüllt mit Koks, zur Reinigung des Wassers. Es wurde gefüllt von dem Bach, der von Berbisdorf kam. Die Menge des Zulaufes reichte aus, um das Becken zu füllen. So ist nach Jahren vieler Arbeit ein großes Freibad entstanden. Eine Baracke zum Aus- und Anziehen wurde dort auch errichtet (1927). In den 30er Jahren wurde das Becken betoniert.

1949 bis 1951 arbeitete ich als Zimmermann bei Baumeister Seifert. Baumeister Seifert bekam den Auftrag von der Gemeinde Einsiedel, die Gebäude unseres Bades neu zu errichten. Dort haben wir einige Monate Arbeit gefunden. Es waren zum großen Teil Holzarbeiten, die man heute noch vorfindet, mit Gaststube und Umkleideräumen. So konnte auch ich, wie mein Vater, für unser Bad etwas dauerhaftes errichten.

Nach der Eingemeindung von Einsiedel im Jahre 1997 wurde das Bad nochmals modernisiert. Am 01.08.1998 fand die Einweihung und Eröffnung statt.
Unser Sommerbad hat zur Zeit folgendes zu bieten:

Sport- und Mehrzweckbecken, 25 Meter x 13,5 Meter
Nichtschwimmer – Erlebnisbecken mit 350 m² Wasserfläche
Breitwasserrutsche, Wasserpilz, Nackendusche, Massagedüsen, Planschbecken mit Rutsche,
Kinderspielplatz, Sonnenterrasse, Liegewiesen
Gastronomische Einrichtung
Moderne Wasseraufbereitungsanlage
Einsiedel, den 02.11.2002

Kurt Morgenstern                                                     (
Ergänzender Artikel: Heimgartenweg 5 und 7 Lebensmittelgeschäft Morgenstern)

 

 

Die frühen Jahre.
Links “Vor dem Sprung”, eine Aufnahme aus dem Jahr 1926. Im Hintergrund die Häuser der Berbisdorfer Straße.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Rechts der 1. Einsiedler Schwimmverein Ende der 1920er Jahre.

Mittlere Reihe in der Mitte der Gründer Bruno Morgenstern. Laut Aussage seines Sohnes Kurt wurde der Verein 1935 bei der Einweihung des Stadtbades in Chemnitz Kreismeister.
(Foto: Kurt Morgenstern)

Fotopostkarte, gelaufen am 19. Juli 1930.
(Vorlage: Jürgen Fritzsche)

Bad- und Schwimmfest. Für dieses Ereignis liegen zwei unterschiedliche Jahreszahlen vor: 1930 und 1935.
Die Flagge im Hintergrund schließt aber eigentlich das Jahr 1930 aus.
“Schwarz-weiß-rot” fand von 1933 bis 1935 (wieder) Verwendung.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Drei Fotos aus den 1930er Jahren.
Oben das Bad ohne und mit Badegästen.

Links: Auf dem “Ein-Meter-Brett”.
Zu diesen Bild hieß es ursprünglich auch, dass es in Einsiedel aufgenommen wurde. Tiefer gehende Vergleiche bezeugen aber das Gegenteil. Der Sprungturm in Einsiedel war wesentlich einfacher gestaltet als die hier zu sehende Holzkonstruktion. Er war aus Metall und verfügte nur über ein Brett (vermutlich 3 m).
Vom Wasser aus betrachtet gab es rechts daneben noch ein separates 1m-Brett.
Ich habe dieses Foto trotzdem hier auf der Seite gelassen.
Der Zweite von links ist der Einsiedler Herbert Neubauer, er ist später im Krieg gefallen.
Er war nicht das einzige Opfer dieser Familie, ich berichtete
an anderer Stelle schon davon.
(Fotos: oben rechts Peter Hollstein, links Heinz Mütze)

Die 1940er Jahre.
Die linke Beckenbegrenzung war zum Zeitpunkt noch nicht befestigt.
(Foto: Haus & Grund Einsiedel)

Das Freibad während einer Übung (oder Reinigung ?) durch die Einsiedler Feuerwehr Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre. Gut zu erkennen, das im Artikel von Kurt Morgenstern beschriebene Umkleidegebäude mit Gastwirtschaft, dass sich vom Vorkriegsaussehen erst auf den zweiten Blick unterscheidet.
(Foto: Torten Richter)

Um 1970. (Foto: Haus & Grund Einsiedel)

 

Um 1980.

 

1996, kurz vor der Sanierung.
(Foto: Jürgen Krauß)

Oben das modernisierte Freibad in einer Luftbildaufnahme vom Mai 2000 (vor der Saison), rechts daneben am 28. November 2004.

 

Aber selbstredend gibt es den Ausblick auch in der
“Mit-Badegästen-Version”, hier rechts vom 13. Juli 2005
(in dem Jahr waren da noch nicht mal Ferien).

 

 


   ...so titelte die “Freie Presse” unter dem 24. April 2009.

Nach den umfangreichen Sanierungsarbeiten im Freibad Einsiedel stand schlussendlich noch der Neubau eines Mehrzweckgebäudes an, dass den Nachkriegsbau ersetzen sollte. Bereits seit 2004 war dieser Neubau geplant, wegen Geldmangel aber immer wieder verschoben worden, letztendlich bis 2009.
Mit viel kaufmännischen Geschick gelang es dem Hochbauamt der Stadt Chemnitz, die umfangreichen Arbeiten in das Sommerhalbjahr zu verlegen, so dass das Bad in der Saison 2009 komplett geschlossen blieb.
Wie immer bei solchen Planungen geht in der Theorie alles ruck-zuck (14 Wochen waren geplant) und bis zum Beginn der Sommerferien glaubte man die Bauarbeiten erledigt zu haben.
Selbstverständlich konnte das Hochbauamt im Frühjahr, als sich abzeichnete, dass der Zeitplan nicht zu halten ist, jede Menge Schuldige präsentieren: langer Winter, nicht einsetzbare ABM-Kräfte, langwierige Abstimmungen mit der Wasserbehörde...

12. März 2009.
Die Abrissarbeiten haben begonnen, die Dachbedeckung ist bereits entfernt.

Die Stadt plante für den Abriss ursprünglich ABM-Kräfte ein, die zu solchen Arbeiten aber gar nicht eingesetzt werden durften.
Am Ende erledigten Mitarbeiter eines gemeinnützigen Vereins dann diese Aufgabe.

Die Hochsaison im Freibad Einsiedel im Jahre 2009, die beiden Fotos oben sind vom 16. August.

Aber auch am 13. September sind die Bauarbeiten noch längst nicht abgeschlossen (Foto rechts).

 

Nun, aber auch diese Bauphase ging einmal zu Ende und mit Saisonbeginn 15. Mai 2010 konnte dieses schöne Bad wieder rege genutzt werden.
In dem neu gebauten Mehrzweckgebäude(n) befinden sich Toiletten, Umkleide- und Duschräume. Weiterhin ein Sanitäts- und Babywickelraum und selbstverständlich gibt es auch ein Imbiss.
Alles genügt modernsten Anforderungen - das Warten hat sich gelohnt!

 

 

Unter dem 7. Juli 2012 war nach über 25 Jahren vom Einsiedler Gewerbeverein ein Badfest geplant. Hier sei insbesondere der Vereinsvorsitzende Michael Pape genannt, der das Ruder dafür in der Hand hielt und von vielen anderen Vereinen (Skiverein, Viktoria, Kinder- und Jugendklub...) tatkräftig unterstützt wurde.
Indes...war das Wetter an diesem Tag gar nicht nach Badfest aufgelegt, reichlich Regen machte das Wasser im Schwimmbecken nass.
Man muss bei den nachfolgenden Fotos schon bissel genauer hinsehen, aber dann erkennt man auch den Regen, der zwar nicht extrem stark, dafür aber permanent war.

Knapp hundert Besucher wurden verbucht, der Großteil allerdings von den Vereinen, die an der Einsiedler Vereinsolympiade teilnahmen, welche im Zuge des Badfestes sowieso geplant war.

 


 

Unten rechts Michael Pape, für dessen missmutiges Gesicht zu Zeitpunkt der Aufnahme wohl jeder Verständnis hat!
Nochmal herzlichen Dank für dein Engagement Micha, beim nächsten Badfest wird das Wetter besser!

Obwohl die Temperaturen nun nicht gerade so waren, wie man es sich für einen Juli wünscht, war es auch nicht kalt, aber der Regen nahm die Stimmung fort.
Die Schiffsmodelbauer (oben rechts) konnten ihre Modelle nur wenige  Runden drehen lassen und Moderator und DJ Stefan Schletter konnte auch nur mit allerlei Abdeckungen seine Ausrüstung vor der Witterung schützen (rechts).

 

 

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